KEINE BILDUNG ZUM TÖTEN
Bundeswehr raus aus der didacta!
Ein Flugblatt auf der didacta forderte den Abzug der Bundeswehr aus den Kölner Messehallen. Verteilt wurde das Schreiben von der Initiative "Schule ohne Bundeswehr". Auch am Messestand der GEW wurde das Flugblatt ausgelegt. Vertreter der Bundeswehr reagierten verärgert auf die Aktion und drohten mit rechtlichen Konsequenzen. Das Flugblatt vom 19.03.2010 hat den folgenden Inhalt:
Bundeswehr raus aus der didacta!Die didacta wird als Europas führender Bildungskongress betitelt. Ist Bildung auch ein Menschenrecht oder eine Ressource? Bildung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Aber Bildung ist auch ein Geschäft. Bildung kann Wissen und Kenntnisse vermitteln, sie kann aber auch die Köpfe von Kindern und jungen Menschen zurichten - möglichst das zu denken, was herrschaftlich gefragt ist. Wir kommen in Halle 6 und finden einen immens großen Stand der Bundeswehr vor. Was hat das Militär für Interessen, auf einer Bildungsmesse präsent zu sein? Welches pädagogische Können wird uns von der Bundeswehr angeboten? Wir wissen, dass die Bundeswehr jährlich 20.000 junge Leute rekrutieren will, um ihren machtpolitischen Auftrag zu erfüllen. Genutzt wird dabei die ökonomische Krise. Für Jugendliche heißt das, keinen gewünschten Ausbildungsplatz zu finden oder keinen finanzierbaren Studienplatz - die Bundeswehr bietet die Lösung. Hier werden qualifizierte Ausbildungen über Steuergelder finanziert angeboten, verknüpft mit dem Erlernen von Mord und Totschlag zur Krisenbewältigung. 400.000 Jugendlichen sind im Jahr 2009 von Offizieren der Bundeswehr an Schulen beeinflusst worden. Jugendoffiziere haben 113.000 Schüler_innen erreicht und die so genannten Wehrdienstberater 290.000. Der Jugendoffizier soll über Sicherheits- und außenpolitische Fragen referieren, dagegen ist der Wehrdienstberater ein offenziver Rekrutierer. In der Praxis verwischen die Grenzen allerdings. Aber nicht nur die Schule ist ein hunting ground, sondern auch Fachmessen wie diese, wo Wehrdienstberater auf Jagd gehen und versuchen pädagogisches Fachpersonal einzubinden. Wir
wehren uns gegen die zweckgeleitete Beeinflussung von Jugendlichen durch
die Bundeswehr. Deshalb fordern wir, die Bundeswehr von der didacta auszuschließen, sie ist weder ein normaler Arbeitsgeber noch eine Bildungseinrichtung. Ihr Bildungsauftrag ist das Tötungshandwerk und 90% der Toten im Krieg sind Zivilist_innen. Unterstützen Sie unsere Forderung:
Bundeswehr raus aus der didacta!
Kontakt: schule-ohne-bundeswehr@web.de
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Bewaffnet“ mit dem „antimilitärischen Abschirmdienst“ in Gestalt so beschrifteter Schirme verteilten AktivistInnen vor dem Eingang Europas größter Bildungsmesse Flyer an das Publikum der „Didacta“, in denen die Forderung nach bundeswehrfreien Schulen und Bildungsmessen erläutert wird. In der Messe selbst wurden Interviews mit AusstellerInnen geführt, die deren Position zur massiven Anwesenheit des Militärs auf der „Didacta“ erfragten. Entschiedene Ablehnung – ca. 10 % - hielt sich mit klarer Zustimmung die Waage. Indifferenz bestimmte das Bild der übrigen Befragten, die oft erstaunt waren, dass der „Bildungsauftrag“ der Bundeswehr in Frage gestellt wurde. Dass ihre besondere Ausbildungsart dem Töten und Getötetwerden gilt, erregte bei diesen Befragten wenig Anstoß. Sie verwiesen auf die Ausbildung im Sanitätswesen und in technischen Bereichen. Gespräche mit anwesenden VertreterInnen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft GEW und der „Naturfreunde“ ergaben hingegen engagierte Unterstützung für das Verlangen nach einer militärfreien Bildungsmesse.
An 35 Schülerinnen und Schüler, die das Bundeswehr-Rollenspiel Pol-Is am Stand der Truppe spielten, wurde das Flugblatt „Das Spiel spielt euch“ verteilt. Es wurde interessiert gelesen. Die angesprochenen BesucherInnen, meist Lehrerinnen und Lehrer oder PädagogInnen in spe, reagierten häufig entsetzt über die massive Bundeswehrpräsenz auf der „Didacta“ und stimmten ebenfalls der Forderung nach einer militärfreien Bildungsmesse zu, so dass man überlegen könnte, demnächst Unterschriftenaktionen dazu zu starten. Ermutigt fühlte sich „Bundeswehr wegtreten“ durch die erfolgreichen Proteste gegen die Bundeswehrpräsenz auf der Leipziger Buchmesse, die seither ohne Propaganda-Stand der Militärs stattfindet.

